Oft vergessen: die Sorgen der Angehörigen
Erkrankt jemand an Krebs, bedeutet das auch für die Nahestehenden oft den Beginn einer schweren und belastenden Zeit. Während die Erkrankten in der ersten Phase ihre gesamte Energie für die medizinische Behandlung benötigen, bleiben die Angehörigen mit vielen Sorgen, Fragen und Aufgaben zurück. In den Begegnungszentren bauen wir deshalb unser Angebot für sie weiter aus.

Die Begegnungszentren «Wäldli» und «Turmhaus» wurden 2024 rund 6700-mal besucht. In etwa 800 Fällen suchten Angehörige von krebserkrankten Menschen Unterstützung und Austausch. Es ist wichtig, unser Angebot auch auf sie auszurichten, denn sie werden durch die Krebserkrankung ebenfalls aus der Bahn geworfen. Ihre Fragen drehen sich zum Beispiel um die Pflege zu Hause, das Gefühl der Überforderung, plötzlich allein für Haushalt, Kinder und Einkommen sorgen zu müssen, um Ängste, Gefühle der Trauer, Hilflosigkeit, Wut und vieles mehr.
Grosses Interesse an der Angehörigengruppe
Das «Treffen für Angehörige von Menschen mit Krebs» wurde mit der Eröffnung des Begegnungszentrums «Wäldli» im Jahr 2022 ins Leben gerufen. Es wird von Sandra Furrer, Fachexpertin in Onkologie, geführt: «Wir geben mit dem Treffen all jenen, die den Alltag mit Krebsbetroffenen teilen, die Möglichkeit, voneinander zu profitieren und zu spüren, dass sie mit vielen Gedanken und Problemen nicht alleine sind.» Das Feedback ist so positiv, dass neu auch im Winterthurer «Turmhaus» alle zwei Monate ein Angehörigentreffen stattfindet.
«Ich staune immer wieder, mit wie viel Mut und Offenheit uns Betroffene und Angehörige begegnen und sich uns anvertrauen. Und es ist berührend, ihre Dankbarkeit und Erleichterung zu erleben, wenn sie den Schritt gewagt haben, sich in dieser ausgesprochen anspruchsvollen Lebensphase von uns begleiten zu lassen und das ganzheitliche Beratungsangebot der Krebsliga Zürich zu nutzen.»

Katrin Marti
Leiterin der Begegnungszentren «Wäldli» und «Turmhaus»
Ausbau der Fatigue-Management-Kurse
Aufgrund einer ebenfalls stetig wachsenden Nachfrage wurde 2024 auch das Fatigue-Kursangebot ausgebaut, und zwar von zwei auf sechs Kurse pro Jahr. Drei davon fanden in Zürich, drei in Winterthur statt. Es ist die grosse Mehrheit der Krebsbetroffenen, die mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom zu kämpfen hat. Der Kurs vertieft das Wissen und das Verständnis über Fatigue und hilft, die Energie so einzusetzen, dass die Auswirkungen der Fatigue vermindert werden.
Die Freiwilligen besser einbinden
Das Angebot der beiden Begegnungszentren wäre nicht denkbar ohne das Engagement der Freiwilligen. Sie unterstützen die Pflegefachpersonen bei der Durchführung von Veranstaltungen sowie beim Empfangen der Besucherinnen und Besucher – und sie schenken diesen in Gesprächen ein offenes Ohr. 2024 wurden die organisatorischen Prozesse optimiert sowie das Angebot von Fortbildungen und Supervisionen für die Freiwilligen ausgebaut, was von diesen sehr geschätzt wird.
Spontane Organisation von Treffpunkten für Peers
Die Gäste der Begegnungszentren sind aber nicht nur froh um die Gespräche mit den Pflegefachpersonen und den Freiwilligen: Ganz wichtig ist auch der Austausch untereinander. Mit Workshops und Gesprächsgruppen schaffen wir laufend Gelegenheiten, damit sich ein solches Miteinander einstellen kann. 2024 haben sich erfreulicherweise auch aus Eigeninitiative der Betroffenen spontan Gruppen gebildet, die sich nun regelmässig in den Begegnungszentren treffen. Zum Beispiel eine «Brändi-Dog»-Gruppe oder eine Gruppe von Fatigue-Betroffenen.
Vielseitiges Programm findet grossen Anklang
Nebst den Pflegefachgesprächen – es waren 2024 insgesamt 1372 – stiessen unsere weiteren Aktivitäten wie der Brunch, ein Besuch des Kunstmuseums Winterthur, Workshops, Fachveranstaltungen und -vorträge ebenfalls auf reges Interesse. Eine erfreuliche Ergänzung des Angebots ist das ab diesem Jahr monatlich stattfindende Laryngektomie-Café des USZ. Das Angebot wird in Kooperation mit uns durchgeführt und und wendet sich an Betroffene einer Kehlkopfentfernung sowie deren Angehörige. Es sind die Vielseitigkeit des monatlich wechselnden Programms und die ganzjährigen Durchführungen, die grossen Anklang finden.
Last, but not least gratulieren wir zwei unserer Mitarbeiterinnen herzlich: Michèle Künzle zum erfolgreichen Abschluss des CAS Psychoonkologie und Sandra Furrer zur Zertifizierung in Advanced Care Planning.
Angebot Begegnungszentren
Die Begegnungszentren «Wäldli» in Zürich und «Turmhaus» in Winterthur sind Orte des Ausruhens und Auftankens. Sie bieten Raum für Austausch, zum Innehalten sowie für eine Beratung durch erfahrene Pflegefachpersonen. Ein breites Angebot an Workshops und Vorträgen runden das Programm ab.
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