Ein Traum wird endlich wahr – dank umfassendem Onko-Reha-Programm
Eine Krebserkrankung hat zahlreiche Facetten. Obschon zunächst der medizinische Aspekt im Vordergrund steht: Auch die psychischen und psychosozialen Folgen wiegen oft schwer. Um Betroffenen umfassend helfen zu können, braucht es entsprechend viele Kompetenzen. So arbeitet auch das Zentrum für Psychoonkologie und ambulante Onko-Rehabilitation im Bewusstsein dessen, was Friedrich Wilhelm Raiffeisen einst kurz und bündig formulierte: «Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das schaffen viele.»

Fabian ist 18 Jahre alt und kurz davor, an der Pädagogischen Hochschule in Zürich zu studieren, um Sekundarlehrer zu werden. Doch dann erhält er die Diagnose Hodgkin-Lymphom. Bei Jugendlichen ist das die häufigste Krebsart. Fabian wird mit Chemo- und Strahlentherapie behandelt – erfolgreich, aber an ein Studium ist nicht zu denken. Er arbeitet temporär im Gastrobereich, absolviert einen IV-Arbeitsversuch. Und dann kommt 2019 – fünf Jahre später – der Rückfall. Es folgen eine hochdosierte Chemotherapie und eine Stammzelltransplantation. Die Auswirkungen sind gravierend, psychisch und physisch. Fabian erleidet eine existenzielle Krise, verliert jegliche Motivation, kämpft mit Ängsten, kann sich nicht konzentrieren, ist ständig müde. Der Traum vom Lehrerberuf scheint endgültig ausgeträumt.
Interdisziplinäre und individuelle Behandlung
Doch Fabian gibt nicht auf. In Absprache mit seinem Onkologen meldet er sich zur psychoonkologischen Behandlung bei der Krebsliga Zürich an. Aufgrund seiner schweren Fatigue überweisen wir ihn in die ambulante Onko-Reha. Hier besucht er während zwölf Wochen ein modulares, auf seine Situation abgestimmtes interdisziplinäres Programm, das nebst der psychoonkologischen Therapie auch Physio-, Ernährungs- sowie Sport- und Bewegungstherapie umfasst. Fabian gelingt es, seine Ressourcen wiederzuentdecken, neue Lebensweisen zu entwickeln sowie das Vertrauen in sich und den eigenen Körper zurückzugewinnen. Parallel dazu fasst er – mit der Unterstützung der IV und des Sozialdienstes der Krebsliga Zürich – auch seinen Traum wieder ins Auge: Lehrer werden. Zehn lange und schwere Jahre nach der ersten Diagnose wird dieser Traum wahr: 2024 schliesst Fabian das Studium an der PH Zürich erfolgreich ab.
«Therapieerfolge wie bei Fabian sind nur möglich, weil wir die Kompetenzen und Engagements vieler Einzelner in einem Team bündeln können.»

Dr. med. (WG) Bruno Pfammatter
Leiter Praxis für Psychoonkologie
Expertise weitertragen, Kompetenzen schaffen
Nebst unserer Arbeit mit den Betroffenen und den Angehörigen engagieren wir uns innerhalb der Krebsliga und in externen Institutionen, um unsere Expertise weiterzugeben und Kompetenzen zu schaffen. 2024 hielten wir unter anderem Vorträge an den Tumortagen in Winterthur, in den Begegnungszentren und in Spitälern; wir führten eine interne Weiterbildung zum «Leitfaden Suizidalität» durch, boten an der Fachtagung der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoonkologie einen Workshop zum Thema «Sexualität in Palliativsituationen» an und beteiligten uns an der 15. Staffel des Podcasts «Leben mit Krebs».
Freiwillige schätzten die neue Supervision
2024 führten wir erstmals eine Supervision für unsere freiwilligen Mitarbeitenden ein, die sich in den Begegnungszentren der Krebsliga Zürich engagieren. Die Supervision bietet den Freiwilligen einen Rahmen, um das Erlebte und ihr eigenes Handeln mit einem «Blick von aussen» reflektieren zu können. Das Feedback war äusserst positiv: Die Freiwilligen schätzten die Möglichkeit, sich untereinander über Erfahrungen auszutauschen, und werten das Angebot zudem als Form der Wertschätzung für ihre Arbeit. Die Supervision findet weiterhin halbjährlich statt.
Eigenes Wissen stetig erweitern
Auch wir Fachpersonen sind dazu aufgefordert, lebenslang zu lernen. Hierzu gehört der Besuch des interdisziplinären Studiengangs «CAS in Psychoonkologie» der Universität Basel in Kooperation mit der Krebsliga Schweiz. Er vermittelt praktisches und theoretisches Wissen und trägt dazu bei, auch in Zukunft das nötige Rüstzeug zu besitzen, um eine kompetente und zielgerichtete Behandlung Krebsbetroffener und ihrer Angehörigen zu garantieren.
Angebot Psychoonkologie und Onko-Reha
Psychologische und ärztliche Fachpersonen begleiten mit einem interdisziplinären Team betroffene Personen mit psychoonkologischer Therapie und stärken sie durch ambulante Onko-Rehabilitation. Dank einer integrierten psychotherapeutischen Unterstützung finden Betroffene und Angehörige Wege im Umgang mit der Krankheit und rascher wieder zu ihren eigenen Stärken.
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